Mittwoch, 12. August 2020

Island 2019 - Tag 6

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Hier zunächst meine Fotos vom sechsten Tag:


Donnerstag, der 17.10.

Wie immer machten wir uns nach dem Aufstehen zu nächst frisch und frühstückten dann noch in aller Ruhe. So war es natürlich auch an diesem Tag.

Danach packten wir unseren Kram zusammen, checkten aus und machten uns wieder auf den Weg. Dieser wurde nach wenigen hundert Metern von einem Tankstopp noch kurz unterbrochen, dann ging es weiter.
Es ging weiter in den Westen, kurz hinter der Stadtgrenze wurde es schnell wieder einsam auf der Ringstraße. Langsam aber stetig ging es auch dann auch bergauf und es dauert gar nicht lange, bis wir in der Ferne die ersten schneebedeckten Hügel wahrnehmen konnten.

Schließlich kamen wir an eine kleine Rampe, an der es ein Stückchen steiler hoch ging und schon waren wir im Schnee gelandet. Mit "hoch" ist hier gut 500m über dem Meeresspiegel gemeint, das reicht aber im Oktober oft schon, um in eine winterliche Landschaft zu fahren. Natürlich mussten wir hier "oben" direkt einen kleinen Stopp einlegen!



Wegen des kaum vorhanden Verkehrs sah die Straße im Prinzip genauso aus wie das Gelände daneben. Natürlich wird hier auch nicht geräumt. Dafür haben viele Wagen ja Winterräder (sowieso eigentlich immer, ist hier die Normalbereifung) mit Spikes. Und hier auf diesem Geläuf habe ich die schnell zu Schätzen gelernt! Überhaupt kein Thema, hier mit 80 über die Straße zu fahren, auch in leichten Kurven. Man fährt im Prinzip einfach genauso weiter, wie auf normalen Asphalt. Habe Anfangs mal etwas die Traktion getestet und die stellte sich als prima heraus. 

Langsam kamen wir dann wieder runter von der Hochebene und der Schnee verschwand wieder. Für den nächsten Stopp und eins der Highlights im Norden der Insel mussten wir dann etwas von der Hauptstraße [1] abbiegen und der [864] gut 30km folgen.

Die Nebenstraße ist natürlich, wie hier so üblich, nicht asphaltiert aber doch recht gut und flott befahrbar, hin und wieder gibt es diverse Wellen und auch mal etwas tiefer Löcher. Mit einem gewissen Tempo "überfliegt" man die meisten Unebenheiten allerdings und es schaukelt oft weniger, als wenn man deutlich langsamer jedes Loch einzeln mitnimmt.

Dieser Abstecher brachte uns zum berühmten Dettifoss, dem mächtigsten bzw. energiereichsten Wasserfall Europas. Ein Besuch, der sich definitiv lohnt!





Ein ziemlich beeindruckendes Schauspiel, bei dem die Energie am Rande stehend wirklich spürt. Wobei man trotzdem sehr nah an das Wasser herangehen kann, wirklich toll. Da durfte eine Panoramaaufnahme natürlich nicht fehlen!


Von hier ging es zurück zur Hauptstraße und bald darauf über eine einspurige Brücke über den Zufluss des großen Wasserfalls. Bei Google Maps heißt dieser Brückenbau "The Golden Gate Bridge Of The Highlands", ein schon etwas gewagter Vergleich.


Die Straße brachte uns dann zu einem weiteren Abzweig, die Sackgasse führt Richtung Krafla. Hierbei handelt es sich um das zentrale Vulkansystem im Norden der Insel. Das gesamte Spaltenfeld mit großer, eingebrochener Caldera von rund 10km Durchmesser erstreckt sich auf rund 100km länge und hat in dem Gebiet zahlreiche Krater gebildet. Das gesamte Krafla-Gebiet kann man eigentlich als "daueraktiv" mit immer mal kürzeren oder längeren Ruhepausen betrachten. Die Haupteruption, bei dem die riesige Caldera zusammenbrach liegt schon über 100.000 Jahre zurück. Danach gab es immer wieder ruhige und aktive Phasen mit mehr oder minder großen Ausbrüchen. Die letzte Aktivität fand in den Jahren 1975-1984 statt. In dem ganzen Großgebiet entgasen permanent vulkanische Dämpfe, überall sieht und riecht vor allem auch den Vulkan. 


Zudem ist an dieser Straße auch ein großes Kraftwerk gebaut worden. Für empfindliche Nasen ist die Fahrt durch die Gegend wirklich nicht, es riecht über längere Zeit schon sehr faulig. Der Weg dorthin führt uns immer an der Schneegrenze entlang, mal sind wir leicht unterhalb, manchmal oberhalb von dieser. Das Ende der Stichstraße führt dann zu einem Parkplatz am Víti-Krater.




Hier am Krater angekommen sind wir dann wieder im Schnee. Diesen gibt es nun nicht nur am Boden sondern auch noch frisch von oben. Oder schräg von der Seite, es ist doch recht windig und daher auch ungemütlich. Genia bleibt nicht lange hier draußen und geht recht flott wieder zurück zum Wagen. Außer den Krater selber konnten wir zu dem Zeitpunkt auch wenig an Aussicht genießen, durch das Schneetreiben war die Sicht doch recht eingeschränkt. Ein Panoramabild machte ich aber doch noch.


Danach ging auch dieser Weg wieder zurück zur Hauptstraße, von dort war es nun aber  nur einen Katzensprung bis zum nächsten Stopp, dem Hochtemperaturgebiet Hverarönd. Dieses liegt direkt unterhalb des Bergrückens Námafjall. Hier befinden sich zahlreiche Solfatare und kochenden Schlammlöcher, eingehüllt in den schon bekannten "Duft" der Vulkane.






Von hier aus schlängelt sich die Hauptstraße weiter gen Westen zunächst wieder etwas mehr in die höhe, seitlich liegt ein weiteres Feld, dessen Wärme durch den Menschen genutzt wird. dann biegen wir bald links auf die [860] ab, hier kommen wir bald zur Grjótagjá. Diese Felsspalte ist wieder ein teil der Kontinentalplatten, die wir schon aus dem Süden Islands kennen. Auch hier ist die Spalte wieder bis an der Oberfläche zu sehen.


Das besondere hier ist ein kleiner Höhlensee, der leicht zugänglich ist und durch sein türkisblaues Wasser beeindruckt. Früher wurde der See zum Baden genutzt, durch die stark gestiegene vulkanische Aktivität des Krafla-Gebiets ab 1975 stieg die Wassertemperatur aber bis auf 60°C an, zudem gab es häufig Erbeben, so dass die Höhle nicht mehr als stabil galt. 



Ab 2004 war die Wassertemperatur wieder auf unter 48° gesunken und es wurde vereinzeln wieder gebadet. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, in so heißes Wasser zu steigen (meine Schmerzgrenze ist bei etwa 40° vollkommen erreicht!). Aktuell liegt die Wassertemperatur bei etwa 44°C, das Baden ist heute allerdings verboten, da die Höhle Privatbesitz ist.



Wir fuhren weiter und die Straße wurde zusehends kleiner und kurviger.


Bald aber kamen wir an das Ufer des Mývatn, dem größten See in dieser Inselgegend. An einer Art Passhöhe am Südufer parkten wir beim gleichnamigen Hotel und genossen den Ausblick über Teile des Sees und der Landschaft.



Zur Aufwärmung gingen wir danach rüber zum Hotel und bestellten uns erst einmal warme Getränke. Währenddessen kam es zum kleinen Plausch mit einem Angestellten. Wir erfuhren, dass hier oben alle Bewohner mehr oder minder über gewisse Zeit autonom leben müssen. Gerade über den Winter schneit auch die Ringstraße hier oben ein und ist dann ggf. über längeren Zeitraum nicht passierbar. Man ist dann abgeschnitten von der Außenwelt und es kann auch mal 2 Wochen dauern, bis sich das wieder ändert.
Nach der Pause fuhren wir dann weiter durch die Einsamkeit, jetzt war die Landschaft eher flach hügelig und immer wieder von kleineren Seen durchzogen.


Auf einmal stutzte Genia beim Blick auf ihr Handy. Sie hatte bei Facebook eine Nachricht von einer ihr unbekannten Person bekommen. Da der Name auf "dóttir" endete, war schnell klar, dass es sich wohl um eine Isländerin handel musste. Sie las und fing plötzlich hektisch an, in ihrer Handtasche zu wühlen, gefolgt von einem "Stopp!"
Die Nachricht kam von einer Angestellten des Hotels, die Genias Portemonnaie gefunden hatte. Das hatte sie nämlich dort liegen gelassen. Die gute Frau schaute sich den Ausweis an und fand Genia dann recht schnell bei Facebook, um sie zu informieren. Zum Glück waren wir erst 20min gefahren und hatten somit keinen sehr hohen Zeitverlust zu beklagen. Vor allem aber hatte Genia ihren ganzen Kram zurück. Noch einmal Glück gehabt!
Nach insgesamt einer knappe Stunde Zeitverlust kamen wir dann zu unserem nächsten Ziel, dem Goðafoss, einem weiteren sehr bekannten Wasserfall Islands. Dieser liegt in direkter Sichtweite der Ringstraße und ist daher ein beliebtes Ziel. Da aber im Norden der Insel, wird es hier nie voll. 





Vom Aussichtspunkt machte ich zudem noch ein kleines Video:


Da hier nun sowohl das Wetter mitspielte und es zudem kein Flugverbot gibt, war es endlich mal wieder Zeit, die kleine Anafi in die Luft zu bekommen, um sich die Sache von oben anzusehen.  


Einen besseren Überblick verschafft dann noch dieses Video:


Von hier ging es dann weiter Richtung Zielort. Der Weg dorthin führt uns zudem durch Akureyri, nach dem Ballungsraum Reykjavík die größte Stadt auf der Insel. Vorher gibt es noch einen längeren mautpflichtigen Tunnel, den wir eigentlich über die Berge umfahren wollten. Durch unseren ungeplanten Zeitverlust nahmen wir dann doch die Abkürzung.
Kurz vor dem Tunnel gibt es einen kleinen Seitenparkplatz mit großem Schild, wie das mit dem Bezahlen so geht. Es gibt zum einen eine App fürs Smartphone, wenn man solche Mautstrecken häufiger nutzt oder aber eine Webseite. Dort geht man drauf, gibt sein Kennzeichen ein (Leihwagen haben übrigens besondere Kennungen, wie uns die Seite nach der Eingabe mitteilte, weil das Auto als Mietwagen erkannt wurde), danach Kreditkarte und fertig.


Vom "vielen Verkehr" rund um die Bucht von Akureyri waren wir dann doch überrascht. Ein paar Autos mehr als das fast durchgängige alleine Fahren der letzten Tage. Nach der Stadt dauerte es nicht mehr lange und wir kamen in Hjalteyri am Viking Country Club an.
Es ist ein Privathaus mit Gästebereich, in dem mehrere Zimmer sich dann WG-mäßig eine Küche teilen. Wir checkten bei den netten Besitzern ein und brachten unsere Sachen in unser Zimmer.




Nachdem wir uns eingerichtet hatten ging es rauf in die Küche, inzwischen hatten wir alle gang guten Hunger! Zum Glück war hier wie eigentlich immer alles prima ausgestattet und wir konnten schnell loslegen. 



An der Küche schloss sich eine Terrasse mit großem Whirlpool an, sowas findet man auf Island ja doch recht häufig. Andere Gäste gingen eben dort hinein, als wir noch beim Kochen waren.
Nach der Stärkung zogen wir uns wieder ins Zimmer zurück, sprangen später noch unter die Dusche und verschwanden dann bald ins Bettchen.

Die gefahrene Strecke:
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Dienstag, 7. Juli 2020

Urlaub 2020

Tja, dieses Jahr ist alles anders als alle Jahre zuvor. Dank SARS-CoV-2 steht unser alle Leben seit rund 4 Monaten ziemlich Kopf. Bei uns ist immer noch alles OK, weder im Job noch gesundheitlich gibt es Grund zu klagen. Ich bin nach wie vor überwiegend im HomeOffice und Genia hat innerbetrieblich die Abteilung gewechselt (hat aber nichts mit Corona zu tun).
Hier soll es daher um unser Lieblingsthema Reisen gehen und somit die Fortsetzung von diesem Blogeintrag von Mitte März.

Die dort noch aufgeführte Motorradtour nach Kreta fiel natürlich aus, das Geld für die Flüge gab es recht flott und problemlos von TUIFly zurück. Ist anscheinend aktuell nicht unbedingt selbstverständlich, daher: Daumen hoch!. Zunächst bekam man einen Gutscheincode, den man allerdings etwa 4 Wochen später in eine Auszahlung umwandeln konnte. So habe ich es auch gemacht. Sicher werden wir diese Kreta-Moppedreise nachholen, aber mit welchem Anbieter dann die geeignetsten Flüge sein werden, weiß ja heute noch niemand.
Inzwischen ist natürlich auch unser angedachte USA/Kanada-Sommerurlaub gestrichen. Heute morgen kam dann die finale Mail dazu (die schon seit Wochen im dortigen Portal angekündigt war), alle (verbliebenen) Flüge sind jetzt storniert. Das dauerte alles recht lange, wirklich Neuheiten bzw. Infos bekam ich nicht von Expedia, wo ich die Flüge gebucht hatte. Ich schaute immer wieder mal dort unter "Meine Reisen" nach und konnte somit in etwa den Stand in Erfahrung bringen.

Nachdem schon vor der Corona-Zeit der letzte der vier Flüge (von Manchester nach Hannover) wegen Airline-Insolvenz von Flybe gestrichen wurde, folgte irgendwann der zweite Teil des Hinflugs (von London nach New York) mit Virgin Atlantic. Als das passiert war stornierten wir dann alle unsere Hotels und auch den Mietwagen. Alles kein Problem, wir achten immer auf die kostenlose Stornierbarkeit. Danach wurde es wieder einige Wochen still und nun also alles auf Stop.

Inzwischen hat sich die Corona-Lage in Europa wieder etwas mehr beruhigt. Die Reisewarnungen für EU-Staaten und EWR sind aufgehoben, es kann wieder (ohne Quarantäne!) gereist werden oder es ist in Kürze soweit. Somit sind für unserem Ersatz-Sommerurlaub inzwischen wieder ein paar mehr Möglichkeiten eröffnet. Im Mai waren wir noch davon ausgegangen, das es maximal eine Deutschlandtour geben kann.

Nun haben wir uns um entschieden und machen eine Reise, die wir eh irgendwann mal vor hatten: Wir fahren mit dem Auto quer durch und um Frankreich. Obwohl ich schon recht oft in unserem Nachbarland war, waren es überwiegend Motorradreisen. Somit in erster Linie auf das Fahren in bestimmten (aus Motorradfahrer-Sicht) reizvollen Regionen beschränkt. Viele andere Ecken kenne ich kaum oder gar nicht. Zudem wollen wir uns natürlich nun auch einige Sachen ansehen und Levi kommt natürlich mit! War ja auch für die eigentliche Reise so gedacht, daran ändern wir ja nun nichts. Genia hatte daher in den letzten Wochen immer wieder an einer Karte herumgebastelt, um mögliche Ziele zu markieren. Alles geht es nicht und so haben wir uns dann eine grobe Route gebastelt, wohin bzw. wo lang es so gehen soll. Mitten im Sommer spielt das Meer da natürlich eine wesentliche Rolle bei der Planung.


Da es auf dem Hinweg liegt, schauen wir uns die wunderschöne Moselgegend etwas an und machen die erste Übernachtung in Trier, dann geht es weiter über Paris (Levi will unbedingt den Eiffelturm sehen!) zur Normandie, durch die Bretagne und an der Atlantikküste runter. Von dort quer rüber Richtung Mittelmeer und schließlich noch etwas Alpen. Wirklich viel geht da nicht, Levi wird bei kurviger Fahrt sehr schnell schlecht. Daher lassen wir auch die Cevennen aus.
Von dort gibt es noch einen Abstecher ins Burgund und schließlich geht es durchs Elsass.
So ganz grob kommen dabei wohl gut 5400km zusammen. Letztes Wochenende haben wir dazu dann die ganzen Hotels gebucht und zudem dauert es nun auch keine 2 Wochen mehr, bis es los geht! Wir freuen uns schon und sind sehr gespannt, was wir alles so sehen werden.

Ach ja, durch Genias Abteilungswechsel hat sie nun auch andere "Urlaubsfenster". Die angedachte Reise mit Freunden nach Madeira (Ende Oktober) wird so als nicht stattfinden. Stattdessen haben wir wohl eine Woche in der zweiten Septemberhälfte, für die wir gerade mögliche Ziele sondieren. Also wenn denn das alles dann immer noch so geht. Man weiß es aktuell ja einfach nicht.
Heißer Kandidat ist aktuell Kroatien! Dort war ich ja mal auf Motorradtour und fand es sehr schön! Haben damals natürlich wie üblich bei Moppedtouren nicht so viele Sehenswürdigkeiten gesehen, daher besteht da durchaus noch Nachholbedarf!
Kroatien stand aktuell nur so am Rande auf unserem Zettel, weil es mir jahreszeitlich nicht so wirklich passte. Mitten im Sommer ist es mir dort zu warm, für den Familien-Herbsturlaub (meist so Mitte Oktober) inkl. viel Baden doch schon wieder zu kühl. Dann geht es doch in der Regel mehr nach Süden.

Und abschließend: Durch Corona ist auch Ronnies dreiwöchige Ostsee-Rallye ausgefallen, so dass er nun doch noch etwas (Urlaubs-)Zeit übrig hat, um noch ein Motorradtour zu machen.
Aktuell gedenken wir (immer unter dem aktuellen Vorbehalt!) so 8.9 Tage lang Anfang Oktober Tschechien zu umrunden.


Der nördliche und südliche Teil des Landes hatte ich schon früher mal als Anfahrt zu einer Karpaten-Tour geplant, die haben wir dann aber 2016 transitmäßig mit einem Trailer bis Ungarn gemacht Neben Ronnie ist wohl auch sein Freund Bartosz dabei und auch Jochen hat durchaus Interesse angemeldet.

2020 könnte (!) als in Sachen Urlaub doch noch interessanter werden, als noch vor wenigen Wochen so gedacht!

Donnerstag, 2. Juli 2020

Island 2019 - Tag 5


Hier zunächst meine Fotos vom fünften Tag:


Mittwoch, der 16.10.

Direkt am morgen war die einzige Wetter-Überraschung, dass es nun trocken war und auch so aussah, als wenn es so bleiben könnte. Stürmisch war es immer noch. Draußen vor unserem Zimmerfenster hatte es eine dieser schweren hölzernen Tisch-Bank-Kombinationen zerlegt.


Wir machten uns also frisch und packten schon einmal die ersten Dinge zusammen, danach gingen wir runter um zum Frühstücken. Die größere Bus-Gruppe war schon länger aktiv, sie packten gerade ihre letzten Sachen zusamen, während ein teil in der Küche den Abwasch erledigten. Wir ließen uns also etwas zeit, damit wir beim Frühstück dann unsere Ruhe hatten. Das hat gut geklappt. Wir fingen an zu essen, der Bus rollte vom Hof.


Danach ging es daran, unsere Sachen im Wagen zu verstauen. Während ich mich mit den Koffern abgab, waren Levi und Cara draußen damit beschäftigt, den kleinen Collie der Besitzer zu streicheln. den hatten wir am Vorabend auch schon draußen gesehen.



Nachdem das meiste verstaut war, konnte ich nun endlich auch noch ein Bild vom Quartier machen, am Vortag fiel das wegen des Wetters buchstäblich ins Wasser.


Ich checkte noch schnell aus und schon ging es auch wieder los. An diesem und dem nächsten Tag hatten wir unsere längsten Etappen vor uns, über 360km standen auf dem Zettel. Zunächst rumpelten wir zurück zur Ringstraße, um dann weiter gen Osten zu fahren.
Wieder waren wir quasi alleine auf der Straße unterwegs, hin und wieder kam uns  mal ein Auto entgegen, aber das zunehmend seltener der Fall. Die Landschaft war auch wieder toll anzusehen.


Leider wurde das Grau am Himmel langsam wieder dunkler und es tröpfelte immer öfters mal etwas. Bis zu unserem erster Stopp dauerte es dann auch nicht lange, es ist ein Wandergebiet mit mehrerern Wasserfällen. Der bekannteste in diesem Areal ist sicherlich der Svartifoss, der wie Orgelpfeifen von Basaltsäulen eingerahmt ist. Leider ist der Weg zu eben diesem Wasserfall der längste. So war schnell klar, dass wir angesichts des Wetters dorthin nicht gehen werden.



So blieben uns zwei kleine Wasserfälle, die im Bereich vorher zu finden sind. Zunächst der sehr kleine Þjófafoss, an den man auch direkt herangehen kann. Angesichts der sehr überschaubare Größe wundert es mich wirklich, dass diese kleine Stufe überhaupt einen Namen hat. Weiter hinten am Wanderweg zum Svartifoss und dem dazwischen liegendem Magnúsarfoss liegt dann noch der Hundafoss. Dieser ist immerhin von unten etwas zu sehen.



Hier ist eigentlich ein durchaus beliebtes Wandergebiet mit, wie erwähnt, vier Wasserfällen. Angesichts des Wetters waren wir aber ganz alleine hier, erst als wir wieder zurück zum Auto gingen, kam ein weiterer Wagen, der aber auch direkt wieder umdrehte. Wir machten uns auch wieder auf den Weg. 
Auf unser nächstes Ziel waren wir alle ziemlich gespannt, es ging nun weiter zum Jökulsárlón, dem größten und bekanntesten eine Reihe von Gletscherseen. Obwohl er direkt am Meer liegt und somit schon etwas von einer Lagune hat, ist es trotzdem der tiefste See auf ganz Island. Bis zu 284m liegt der Boden unterhalb des Wasserspiegels. Das gesamte Hinterland des Sees wird vom Vatnajökull eingenommen, dem mit rund 8100km² Fläche mit Abstand größten Gletscher der Insel. Zugleich ist es auch der größte in Europa außerhalb der Polarregionen. Schon lange vor dem See konnten wir weit entfernt die ersten Gletscherzungen sehen, die sich mit gewaltiger Größe ihren langsamen Weg hinunter bahnen.




Hier war es dann auch mal an der Zeit, die DSLR samt großen Tele aus der Tasche zu kramen.



Von diesem kurzen Halt war es dann auch nicht mehr weit bis zum See. Von hier gibt es diverse Anbieter, die Bootsfahrten über den See anbieten, um näher an die Eisberge und auch der Abbruchkante zu kommen. Wir fanden den Blick vom Ufer aber auch so schon beeindruckend. Echte Eisberge!







Wir machten dann noch ein gemeinsames Foto vor dieser Kulisse und dann ging es wieder in den Wagen. Ein Stückchen weiter führt die Ringstraße über eine Brücke, die den Abfluss des Sees ins Meer überspannt. Hier fließen dann manchmal noch kleinen Eisberge in die Welt, wenn sie es denn hinaus schaffen.



Danach führte uns die Fahrt weiter durch die weite Ebene, kurz vor der Abfahrt der Ringstraße zum Ort Höfn gab es eine Tankstelle mit kleinen Bistro. Da machten wir dann noch eine kleinen Pause. Was wir hier auch merkten: Der Wind hatte inzwischen deutlich abgenommen. Es pustete immer noch deutlich spürbar, aber kein Vergleich zum Sturm vom Morgen oder gar des Vortages!




Ab hier ging es dann wieder in die Berge, die nun wieder höher wurden und auch bald wieder bis fast ans Meer reichten. Zudem wurde die Fahrt noch einsamer und die Landschaft noch rauer. Genia machte unterwegs so einige Fotos aus dem fahrenden Wagen heraus.




Es ging durch Tunnel, an steilen Hängen vorbei, immer mal wieder bis fast direkt ans Meer, dann um eine lange Bucht herum. Die ganze Zeit waren wir quasi alleine unterwegs, kaum jemand kam uns mal entgegen.




Schließlich sahen wir links von uns in einem sich öffnenden Tal samt Fluss einen Wasserfall und kurz darauf bog eine kleine Schotterstraße links ab. Diesem Weg folgten wir, in der Hoffnung, so zu diesem Wasserfall zu kommen. relativ schnell war dann allerdings für uns Ende Gelände. Wir stoppten an einer Brücke, die wir dann nicht wirklich überfahren wollte. Zudem war auch der Auffahrbereich schon seitlich ziemlich weggebrochen, so dass es fraglich wäre, ob der Wagen überhaupt auf die Brücke gekommen wäre.





Sonderlich näher sind wir somit nicht an den Wasserfall gekommen, der in seiner Kulisse schon ziemlich mystisch wirkte. Felswände in mehreren Stufen, dazwischen das Wasser und im Hintergrund ein Berg in ziemlich perfekter Pyramidenform, der Gipfel von Wolken umgeben, durch die an einigen Stellen die Sonne bricht. Ein grandioses Bild!
Zum Glück hatte der Wind weiter nachgelassen und zudem war es gerade trocken, also schickte ich die Drohne in die Luft, um das mal etwas genauer einzufangen! Auf dem Weg zum Wasserfall machte ich dann noch zwei Fotos von diesem Flusslauf, an dem wir standen, auf dem oberen kann man die Brücke und auch unseren Wagen erkennen.



Zwei Tage Sturm waren nun wirklich vorbei, vielleicht hatten wir auch einfach den windigen Bereich geografisch verlassen, wer weiß das schon genau. So einen Dauerwind hatte ich bisher auch noch nicht erlebt. Wenn daheim ein Sturm aufzieht, dann wird es ein paar Stunden windiger, dann stürmt es ein paar Stunden und danach nimmt der Wind wieder ab. Das ist dann in der Regel alles nach grob 6-12h vorbei. Hier hatten wir rund 48h Dauersturm, ein wirklich beeindruckendes Erlebnis.


Zurück zum Ort: Rund einen Kilometer hatte die Parrot Anafi zurückgelegt, bis ich nah genug am Wasserfall, dem Snaedalsfoss, war. Aus der Nähe betrachtet wirkt der Pyramidenberg im Hintergrund noch weiter entfernt. Ich flog noch etwas näher heran und machte dann davon dieses Video:


Danach packten wir dann wieder zusammen und fuhren weiter. Wieder gab es schöne Landschaften, die Genia erneut unterwegs fest hielt.



Am Ende des Berufjörður, einem der zahlreichen Fjorde, die wir auf der Ringstraße umfuhren, zweigt die Schotterpiste 939 über den Öxi-Pass ab. Diese Strecke kürzt den Weg gen Norden nach Egilsstaðir (unserem Tagesziel) um satte 67km ab.



Vor noch gar nicht langer Zeit war das eine ziemliche raue Piste mit diversen Furten, die zwar Strecke sparte, aber keine Zeit. Heute ist das anders, wenn der Weg denn frei ist (im Winter meistens nicht der Fall). Bei der Auffahrt gab es wieder tolle Ausblicke zu genießen, so machten wir natürlich auch hin und wieder einen Stopp.





Hier machte ich auch noch ein 360°-Panoramabild.


Auf dieser Strecke gab es immer wieder Sachen zu entdecken, zahlreiche Bäche zogen sich durch die Landschaft, immer wieder gab es kleine Wasserfälle.





Auf dieser Strecke ging es natürlich häufig hin und her, zudem gab es natürlich diverse Schlaglöcher usw. Alles Sachen die ich (wenn ich nicht selber fahre) und auch besonders Levi nicht gut vertragen. Obwohl er rechtzeitig aufgehört hatte ins Tablet zu schauen, wurde ihm langsam etwas schlecht.




Wir schafften es aber wieder bis auf die Ringstraße und hatten schon gedacht, der Kelch wäre an uns vorbei gegangen. Aber es war wohl doch schon zu spät. Da Levi das Problem aber mittlerweile kennt, schafft er es inzwischen doch gut, rechtzeitig bescheid zu sagen. So machten wir schnell einen kurzen Stopp und er konnte sich erleichtern. Ein paar Minuten frische Luft und etwas zu trinken beseitigt die Übelkeit dann meist recht schnell. Zudem hatten wir es nun auch nicht mehr weit bis zum Ziel. Bald schon kamen wir an unserem Quartier an dem Tehúsið Hostel in Egilsstaðir.





Das ebenerdige Gebäude besteht im Eingangsbereich aus einem Café/Bar und rechts davon der Hostelbereich mit einem großen "Wohnzimmer", von dem es zu den Zimmern und zum hinteren Flug abgeht, von dem es zu den Sanitärbereich und der Küche geht.
Nachdem wir uns alles angesehen und eingerichtet hatten, stand noch ein Einkauf auf dem Programm. Wir waren ja nun endlich wieder in einem richtigen Ort, das musste ausgenutzt werden! Cara und Levi hatten wenig Interesse mitzukommen, also gingen Genia und ich allein zum nahen Nettó.



Nach dem Einkauf machten wir uns Pizzen in der Küche (es gab ja hier einen Ofen). Das passte ganz gut, weil ein paar Inder dort auch kochten und es sonst am Herd recht eng geworden wäre. Genia unterhielt sich währenddessen länger mit einem allein reisenden deutschen Arzt. Nach der abendlichen Stärkung entspannten wir noch alle zusammen etwas im Wohnbereich. 


Schließlich sprang ich noch unter die Dusche und bald darauf waren wir in unseren Betten verschwunden.

Die gefahrene Strecke:
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