Mittwoch, 20. April 2016

Moppedfahren auf Gran Canaria

Im Rahmen des Urlaubs wollte ich auch die schöne Topographie Gran Canarias nutzen, um hier ein paar Tage Motorrad zu fahren. Im Winter ist man ja doch schon manchmal etwas auf Entzug und so bietet sich ja die eine oder andere Tour auf der Insel des ewigen Frühlings an.
Im Vorfeld hatte ich daher schon 3 Tagestouren abgesteckt und zudem schaute ich nach Motorradverleihern vor Ort, dabei stießen zwei Anbieter besonders heraus, beide sowohl in Sachen Bewertungen als auch Auswahl an Maschinen.
Wolfi war letzten Winter ebenfalls hier auf der Insel zum Mopped fahren und hatte sich eine Yamaha XT660R bei Moto & Bike geliehen. Er war damit sehr zufrieden.
Somit war das auch meine erste Adresse für meine Anfrage. Allerdings wollte man mir für nur 3 Tage vorab keine Reservierung machen, erst ab 5 Tagen. Allerdings, so die Aussage, "wäre das kein Problem, ich solle einfach vorbei kommen, sie hätten schon etwas für mich."
Da hatte ich auch keinen Zweifel, allerdings war mir "etwas für mich" doch etwas schwammig.
Weil Leihmotorräder an sich sind alles andere als günstig. Während man recht problemlos vor Ort einen Kleinwagen für rund 20€/Tag leihen kann, kostet ein "richtiges" Motorrad (also ab rund 500cm³) schnell das dreifache. Und die Staffelung durch die Klassen ist groß. Daher hatte ich etwas Sorge, dann vor Ort eine dicke GS-BMW (tolle Maschine) für 132€/Tag (weniger toller Preis) zu bekommen.
Daher schrieb ich noch den anderen Verleiher an, Motos Tivoli. Hier bekam ich am nächsten Morgen eine positive Antwort: Ja, eine XT660R könne ich für 3 Tage reservieren, kostet 185€.
Alles klar, Angebot angenommen.

Vor der Reise fragte ich dann zur Sicherheit noch einmal bei RyanAir wegen Helm und Handgepäck nach. Eigentlich (also bei den meisten Airlines) ist das überhaupt kein Thema.
Nun.... gut, dass ich nachgefragt habe: Nein, Handgepäck hat die maximal die vorgeschriebenen Ausmaße, also 55x40x20cm. Die ersten Maße sind ja kein Problem, aber der Helm ist nun in jeder Dimension größer als die 20cm. Heißt im Klartext: Muss aufgegeben werden.
Somit lies ich meinen Helm daheim und nahm nur kurze Stiefel, die Motorradjeans, Jacke und Handschuhe mit. Da einige Tage vor der Abfahrt die Wetteraussichten schon teilweise Richtung durchwachsen gingen, packte ich auch gleich noch Regensachen ein.


Donnerstag, der 18.02.
Der Tag des Fahrzeugwechsels. Nachdem wir 2 Tage lang einen Mietwagen hatten brachte ich eben diesen zum Verleiher zurück und holte auf dem Rückweg direkt die Yamaha ab, lag eh auf dem Weg. Bei Motos Tivoli angekommen stand die Maschine schon draußen an der Straße, im Büro waren die Formalitäten schnell erledigt. Das ging auch in deutsch, bei manchen Fragen half ansonsten englisch. Viel zu erklären gab es nicht, also Motor an und zurück zum Hotel.

Ich hatte ja bis letztes Jahr selber einen 660er Yamaha-Einzylinder (in der alten Ténéré), aber mein ehemaliger Antrieb hatte irgendwie wohl nie die angegebene Leistung. Die Leihmaschine ist natürlich deutlich leichter als die Reiseenduro, aber so groß sollte der Unterschied nicht sein!
Die XT ballerte auf jeden Fall ganz anders los als mein ehemaliges Schätzchen.

Beim Hotel angekommen schlüpfte ich rasch in meine Klamotten, montierte mein Navi an der Maschine und überlegte mir dann, in welche Richtung ich wohl am besten starte. In den Bergen hingen schon von Playa del Inglés sichtbar dicke Wolken, Richtung Westen (wo die Berge dichter an die Küste kommen) sah es kaum anders aus, also sollte mich mein Weg erst einmal etwas an der Ostküste entlang führen. Von dort führen einige Straßen Richtung Inselinnere, ohne gleich 20-30km keinen Abzweig (und damit Alternativstrecken) zu haben. Eine vorbereitete Route für diese Option hatte ich auch, also mal rasch im Navi laden und dann los!
Zunächst ging es also aus dem Ort raus und dann ein bisschen über die Inselautobahn bis Tarajalillo, von dort über kleinere Straßen, bis ich in Vecindario auf die CG-65 landeinwärts fuhr.
Relativ schnell zog es sich weiter zu und begann dann auch bald an leicht zu regnen.
Weiter in den Bergen wurde es immer dunklere, so bog ich schon bald auf die CG-551 ab, um etwa auf gleicher Höhe parallel zur Küste nordwärts zu fahren.
In Ingenio angekommen zog es sich eigentlich rundherum weiter zu und so beschloss ich an dieser Stelle hier doch besser zu verschwinden und dem südlicheren Inselteil eine Chance zu geben.
Also in der Nähe des Flughafens wieder auf die Autobahn und ab dafür. Nach kurzer Fahrt wechselte ich wieder auf die Landstraße parallel zur Küste, hier war es ja zumindest soweit trocken. Das "gute Wetter" wollte ich nicht nur auf der Autobahn verschwenden.
So fuhr ich dann die ganzen Touristenhochburgen an der Südküste ab, bis ich auf die CG-505 abbog, die mich direkt gen Norden in die Berge bringen sollte.
Die Straße folgte einem Tal bis Las Filipinas, von dort bog die Straße seitlich aus dem Tal ab und von nun an ging es in engeren Kurven die Berge hoch. Das Wetter hielt bisher auch soweit, die Straßen waren zwar oft feucht bis nass, aber zumindest gab es zunächst keine Dusche von oben.
In Barranquillo Andrés wechselte ich auf die CG-605 und schon bald wurde die Straße enger und es kamen zunehmen Serpentinen hinzu, die mich weiter in die Höhe führten.
Dort erreichte ich dann mit 925m (laut GPS-Signal) meinen Tages-Höhepunkt.
Die CG-605 teilte sich bald und ich nahm den Weg nach links, der mich in einer Schleife langsam wieder Richtung Süden aus den Bergen heraus bringen sollte. Der Weg gen Norden führte sehr viel weiter nach oben und dort sah es vom Wetter wieder weniger gut aus. Zumal es auch auf nicht einmal 1000m schon recht frisch geworden war und ich ja nur ziemlich dünne Sommerhandschuhe am Start hatte.


Die Straße wieder weiter runter ins nächste Tal war ebenso großartig wie der Weg hinauf und obwohl es nicht trocken war gab es nie irgendwelcher Rutscher, also prima Grip auf diesem Asphalt. Straßen, die also richtig Spaß bringen. Mit dem Einzylinder kam ich auch prima zurecht, der Motor passt wirklich gut zum Profil hier. Bei einigen engen Kehren ist zwar selbst im ersten Gang etwas Kupplungseinsatz nötig, wenn es nicht allzu sehr an der Kette rupfen soll, aber auch das hat man ja als geübter Fahrer recht schnell raus.
Von nun an ging es durch ein langes Tal über Mogán bis runter zum Meer nach Puerto de Mogán. Hier holte mich dann doch der Regen wieder ein.
Ich fuhr bis in die (von Touristen gut gefüllten) Stadt und stellte mich dort erst einmal etwas unter.
Als der Regen weniger wurde machte ich mich dann wieder auf den Weg. Dieses Mal die Küstenstraße in anderer Richtung durch die ganzen Touristenhochburgen. Teilweise mit ziemlich fiesen Verkehr und zudem verfuhr ich mich in Puerto Rico auch noch.

Es regnete nun durchgängig, nicht sonderlich stark aber halt die ganze Zeit. Ich hatte zwar die ganze Zeit meine Regensachen an, aber es wurde doch nun ziemlich feucht in meinem Schritt, was ich mir eigentlich nicht so wirklich erklären konnte. Mit diesen Regensachen bin ich schon viel länger durch viel stärkeren Regen gefahren bis es irgendwo doch mal feucht wurde.

Nun, irgendwann kam ich dann wieder am Hotel an und als ich mich aus den Klamotten schälte wurde auch schnell der Grund für die Feuchtigkeit klar: Meine Regenhose hatte genau im Schritt einen ordentlichen Riss. Na toll...

Die gefahrene Strecke (170km):
Die gefahrene Strecke (140km):  https://www.google.com/maps/d/edit?mid=z2kV3jCeQflE.k2rr09qPWJc0&usp=sharing



Freitag, der 19.02.
Die Wettervorhersage und auch die Wetteraussichten vom Hotel waren ähnlich bescheiden wie am Vortag. Eigentlich eher noch schlechter. Hier in Playa del Inglés und der Südküste ging es, weiter im Norden war mehr Regen angesagt und oben in den Bergen ziemlich viel.
Nützt ja nix, also versuchte ich mich mal wieder im Bereich Ostküste und von dort in die (eher mittelhohen) Berge.
Im Prinzip fuhr ich die gleiche Strecke wie am Vortag, ich wollte allerdings von der CG-65 nicht ganz so früh (auf die CG-551) abbiegen, sondern weiter hinauf.
Falls es weiter oben zu schlecht würde, gibt es etwas weiter noch eine weitere Straße (CG-550), die mich wieder in tiefere Gefilde bringen sollte.
Ich kam bis kurz vor Santa Lucia de Tirajana bis mich der Regen eingeholt hatte. War zwar noch kein starker Niederschlag, aber angesichts meiner gelochten Regenhose braucht es leider in dem Zustand auch nicht sonderlich starken Regen, um wieder eine schöne nasse Hose darunter zu bekommen.
Kurz vor dem Ortsausgang gab es linke Hand eine Bushaltestelle, unter der ich mich erst einmal verkroch. Vielleicht klart es ja in Kürze wieder auf.
Die Frage war ja nun, ob ich weiter (Richtung San Bartolomé de Tirajana) fahre oder umkehre, um die alternative Route weiter Richtung Küste fahre.


Es klarte nicht wirklich weiter auf in Richtung Berge, also entschloss ich mich nach einer knappen halben Stunde umzukehren. Im Nachhinein war das wohl eher die falsche Entscheidung, aber so schlau ist man halt erst hinterher.
Also wieder raus aus dem Städtchen und zur CG-550. Dummerweise stand an der Abzweigung ein Baustellenschild und etwas von Sperrung. Doofe Sache.
Nun, was mit einem Auto meist recht eindeutig ist, verhält sich mit einem Motorrad etwas flexibler. Oft kann man damit auch irgendwie durch Baustellen hindurch, daher versuchte ich es erst einmal.
Nun, am Wochenende oder nach Feierabend wäre das sicher auch gegangen, an diesem Freitagmorgen allerdings nicht.
Nach wenigen Kilometern kam ich zur Baustelle, der ganze Asphalt war weg und die komplette (Rest-)Straße mit Baumaschinen voll. Also nix mit irgendwie durch kommen.
Bedeutet im Klartext aber auch: Wieder weiter runter vom Berg und auf der einzig verbliebenen Straße parallel zur Küste weiter, eben der CG-551 vom Vortag.
OK, auch die Straße macht Spaß (trotz Nässe), aber so war das nicht geplant.
In Ingenio angekommen sollte mich der weitere Weg aber nicht wieder zurück zur Küste bringen, sondern trotz allem höher in die Berge. Mitten in der Stadt kam dann ein starkes Gewitter, vor dem mich allerdings ein Vordach etwas rettete. Nachdem der starke Regen vorbei war ging es also weiter, nun also auf der CG-120 landein- und bergaufwärts.
Erst einmal war Cazadores das nächste Zwischenziel, dort mündet meine Straße in die CG-130. Auf der konnte es weiter hoch gehen oder aber Richtung Telde (und auch der Küste).
Dort angekommen war die Entscheidung recht schnell gefallen: Der Ort liegt auf 1300m, inzwischen regnete es nicht nur recht stark, sonders es stürmte auch derbe und saukalt war es natürlich auch. Zudem war ich inzwischen in die Wolken gefahren, so dass die Sicht auch meist nur zwischen etwa 30 und 50m lag. Spaß ist wirklich etwas anderes.
Ich entschied mich zu einem Stopp, auch ohne wirkliche Unterstellmöglichkeit, in diesem fürchterlichem Wetter wollte ich so erst einmal nicht weiter.
Der ganze Ort war wie ausgestorben, keine Hund würde jemand bei dem Wetter heraus jagen.
An der Straße war wohl so eine Art Parkstreifen neben mehrere Büschen und großen Plantanen.
Ich stellte die XT ab und verkroch mich so gut wie möglich etwas unter einem Busch und im Windschatten eines der dicken Baumstämme. Ich zog weder die klitschnassen Handschuhe aus noch setzte ich in diesem Wetter den Helm ab. Das durch die Regenhose eingedrungene Wasser lief mir in der Hose bis in die Stiefel hinunter. Prinzipiell hätte ich von dieser Situation gerne ein Foto gemacht, aber das Handy sollte definitiv sicher im Topcase bleiben und meine GoPro (die solchen Bedingungen ja gerne trotzt) hatte ich an diesem Tag nicht dabei.
Eigentlich wollte ich nur weg von hier, am liebsten gebeamt.
Da das unverständlicher Weise immer noch nicht funktioniert kauerte ich mich nah an den Baum und hoffte auf Besserung.
Die kam natürlich nicht so wirklich. Irgendwann nach etwa 15 Minuten, die sich nass und frierend wie eine Ewigkeit anfühlten. wurde zumindest die Sicht etwas besser. Ich konnte wirklich einige Häuser mehr erkennen als vorher und auch die Straße verschwand nicht sofort im Nichts.
Also schnell wieder auf die Yamaha und nix wie runter in tiefere (und somit wärmere) Gefilde.

Am Stadtrand von Telde bog ich auf die CG-100 ab, die mich zurück nach Ingenio brachte, von dort ging es weiter auf der Straße über Agüines Richtung Autobahn.
Immerhin war es inzwischen deutlich wärmer und der Regen hatte zwischenzeitig auch aufgehört.
Unterwegs machte ich daher noch abseits der Straße einen dringend notwendigen Stopp, an den vorher irgendwie nicht so recht zu denken war.
Die Autobahn verließ ich recht schnell wieder und fuhr dann über die Küstenstraße CG-500 direkt zurück zum Hotel. Es reichte mir für den Tag wirklich....

Die gefahrene Strecke (141km): 
Die gefahrene Strecke (141km):   Die gefahrene Strecke (140km): https://www.google.com/maps/d/edit?mid=z2kV3jCeQflE.k2rr09qPWJc0&usp=sharing



Samstag, der 20.02.
Der letzte Tag mit der Leihmaschine und natürlich waren die Wetteraussichten auch an diesem Tage nicht besser. Wie üblich versprach der Ausblick Richtung Osten eher besseres (eher "nicht ganz so schlimm") Wetter, aber das sollte mir egal sein. Zwei Mal war ich in die Richtung gestartet und jedes Mal gut nass geworden. Schlimmer konnte es also Richtung Westen auch nicht wirklich sein. Zudem wollte ich endlich auch mal andere Straßen sehen. Also Sachen packen und los.
Zunächst folgte ich wieder der Küstenstraße CG-500 durch die ganzen Urlaubshochburgen bis nach Puerto de Mogán. Dort angekommen stieß ich auf die CG-200, die in den Ort geht und die andere Richtung in die Berge führt. Direkt hier befindet sich auch eine Tankstelle, in der ich den Benzinvorrat wieder auffrischte.
Direkt danach also die Straße durch das lange Tal langsam aufwärts. Bis jetzt war das Wetter wirklich gut (kein Regen und sogar trockene Straßen), das sollte sich aber schon nach etwa 2km ändern. Da war er wieder, der nette Regen von nebenan. An einem Kreisverkehr gab es zum Glück wieder eine praktische Bushaltestelle, in die ich mich dann erst einmal setzte. Vielleicht hört es ja bald wieder auf.
Tat es auch, aber der Blick weiter aufwärts durch das Tal versprach nichts Gutes: Dicke, dunkle Wolken hingen weiter oben zwischen den Bergen.
Also wartete ich doch besser, wer weiß, ob ich mich später im Zweifel irgendwo unterstellen kann. Während meines Wartens bemerkte ich, dass mein Navi-Display irgendwie "nebelig" war. Der genauere Blick, verriet: Da war eindeutig Feuchtigkeit eingedrungen. Na toll...
Tja, ich wartete. Der nächste Schauer kam und endete, dann noch einer. Die Sonne kam raus und es zog sich wieder zu. Nur weiter oben bleib es permanent düster.


Nach etwa einer Stunde reichte es mir dann. Scheiß auf das Wetter, weiter warten schien eh nicht zu helfen, also los!
Ich fuhr immer weiter unter die düsteren Wolken, zu meiner Überraschung blieb es aber bis auf wenige Tropfen recht trocken. In Pie de la Cuesta bog die CG-200 dann scharf links ab.
Geradeaus mündete die CG-605 auf die Hauptstraße, eben von dort war ich am Donnerstag aus den Bergen gekommen.
Die gut ausgebaute CG-200 windete sich in tollen Kurven um die hoch ragenden Berge herum, ein grandioses Panorama. Bald folgten Warnschilder an der Straße und bald sah ich Dinge, die ich hier so nicht erwartet hätte. Überall von den hohen Bergen stürzten Wasserfälle herunter, die sich in recht schmalen, aber doch ziemlich reißenden Bächen ihren steilen Weg ins Tal suchten.
Überall hielten Autos und Wohnmobile an und die Menschen machten Fotos.


Hinter jeden Kurve neue Wasser-Schauspiele, Wahnsinn.


Teilweise ging die breite Straße recht nah an die steilen Felsen heran und plötzlich lag ein dicker Steinbrocken, sicher über 1m im Durchmesser, mitten auf der Straße. Die starken Regenfälle der letzten Tage habe wohl ganze Arbeit oben in den Bergen geleistet.
Das Wetter hielt bisher auch einigermaßen. Der ursprüngliche Plan, "warten, bis es besser wird", hat anscheinend sogar funktioniert. Ohne, dass ich das hätte wirklich erwarten können.
Jedenfalls war sehr viel Wasser auf und neben der Straße, es hatte also vor gar nicht so langer Zeit ziemlich runter gemacht.

Schließlich führte mich die Straße nach La Aldea de San Nicolas de Tolentino, die CG-200 macht hier einen Linksknick und führt weiter zur Westküste, ich bog aber rechts auf die CG-210 ab, die weiter hinauf in die Berge geht.
Genau diese Strecke hatten wir Mittwoch mit dem Auto gemacht. Da war mir am Ortsausgang schon eine interessante Streckenführung aufgefallen: Man fuhr die Straße eine Art Kuppe hoch, die komplett betoniert war, und dann durch ein trockenes Bachbett führte.
Auf der anderen Seite das gleiche: Über einen betonierten Minideich ging die Straße wieder raus aus dem Bachbett. Unterwegs hielten mehrfach entgegenkommende Auto mitten auf der Straße und die Fahrer unterhielten sich.
An der Kuppe angekommen erkannte ich auch direkt die Ursache: Das Bachbett war nun recht gut gefüllt und eine Menge Wasser strömte bergab. Die Wagen hatten hier wohl gewendet und unterrichteten den entgegenkommenden Fahrer, dass es hier nicht weiter geht.

Tja, im Prinzip ist die XT ja doch eine Enduro und vor mir befand sich somit meine erste Fuhrt!
Also Füße hoch und dann langsam aber gleichmäßig durch die 10-15m lange Senke und das etwa 50cm tiefe Wasser.
Das klappte ohne Probleme und weiter ging es die nun leere Straße in die Höhe. Die Strecke wurde zunehmend enger, steiler und kurviger. Längere Fahrzeuge habe hier keine Chance durchzukommen. Die Strecke kannte ich ja schon, allerdings bei Sonnenschein.
Es ging an einigen Stauseen vorbei und immer wieder war teilweise recht viel Wasser und auch Steine auf der Straße.
Zum Glück hatte ich an diesem Tag meine GoPro dabei und diese auch irgendwann mitlaufen lassen.
Der Wasservorhang und auch der Riesenfelsen fehlen allerdings leider.
Irgendwann werde ich auch sicher einen Film zusammenschneiden, bis dahin sollen mal eine Reihe Screenshots vom Video einige Eindrücke schildern.

 

Weiter oben dann kam meine angepeilte Abzweigung auf die CG-606. Tja, dummerweise war eben diese Straße auch gesperrt. ich machte einen Moment eine Pause, da aktuell der Regen eher schwach war. Die CG-210 weiter fahren war keine tolle Option, bringt sie mich doch in einer ordentlichen Schleife weiter gen Norden, zudem werden auf dem Weg auch Höhen über 1500m erreicht. Mit den Erfahrungen des Vortages fand ich die Idee wenig berauschend.


Also, scheiß auf die Sperrung, mit dem Mopped werde ich da wohl durch kommen, solange nicht die ganze Straße weggespült ist.
Es ging also weiter auf dieser noch kleineren, steileren und engeren Straße. Wie so oft in höheren Gebirgslagen ist die Strecke auch nur grob gesichert. Das kennt man ja auch z.B. von einigen Alpenstraßen, neben dem Asphalt geht es oft direkt mehr oder minder steil runter.
Hier kamen jetzt aber noch die äußeren Bedingungen: Überall floss Wasser aus Sturzbächen über die Straße, ständig lagen mehr oder minder große Brocken auf der Piste und bei Felsüberhängen ging es auch öfters durch kleine Wasserfälle, einmal gar durch einen ganzen Wasservorhang. Einfach Irre!
Ich kam mir bisweilen vor, als würde ich (etwas überspitzt formuliert) über die Yungas-Straße im bolivianischen Hochland fahren.


Zwischendurch hatte ich doch hin und wieder Gedanken daran, was ist, wenn hier irgend etwas passiert? Ständig lagen Brocken teilweise mitten auf der Straße, die sind ja nun irgendwo herab gestürzt. Wenn sowas genau dann passiert, wenn ich dort her kommen.... unschön!
Mit Hilfe durch zufällig vorbei kommende Autos ist wohl kaum zu rechnen, die Straße ist gesperrt und an so diversen Hindernissen wäre man mit eine Auto auch einfach nicht vorbei gekommen.
Nun ja, solche Gedanken habe ich dann recht schnell durch spontane Wahrscheinlichkeitsrechnung abgetan. Außerdem: No risk, no fun!


Und ich hatte meinen Spaß! Und zwar richtig!
Ich war wieder vollkommen durchnässt und arschkalt war es auch wieder: Diese Tagestour sollte mich bis auf 1425m Höhe bringen. Und trotzdem: In dem Augenblick wollte ich nirgendwo sonst sein! Ich hatte gerade mein persönliches, kleines Urlaubsabenteuer im durchorganisierten Zivilleben. Das dabei auf einem Motorrad. dem schon so oft für mich schönsten Platz der Welt!
Zu dem Zeitpunkt hätte mich nichts von dieser kleine, meist ungesicherten Straße im Nebel und Regen mit ihren ganzen Hindernissen wegbringen können.

Irgendwann kam dann ein Hinweisschild auf die CG-60, der Nord-Süd-Hauptroute im hohen Teil der Insel. Kurz vorher bog noch eine ganz kleine Straße ab, die ich dann aus Versehen prompt nahm. Nach etwa 3km kam ich in ein kleines Dorf, aus dem ich keine Ausfahrt mehr fand.
Irgendwann fuhr ich entnervt zurück um dann meinen Irrtum zu bemerken. Ich hatte wohl schon etwas zu lange eher dicht vor mein Vorderrad geschaut um Hindernissen auszuweichen.
Auf der Hauptstraße ging es dann recht flott wieder hinunter. De Straßen waren feucht, aber sehr gut und flott zu befahren, endlich wurden wieder richtig Meter gemacht. Je tiefer ich kam, desto schöner wurde das Wetter und vor allem stiegen die Temperaturen sehr deutlich. Es war mal wieder Zeit für eine Pinkelpause und einen Schluck aus der Wasserflasche.


Der Rest der Strecke war vom ersten Autotag noch bekannt, es machte aber ungleich mehr Spaß als mit der Dose. Ziemlich flott kam ich dann an der Südküste an.
Wieder zurück am Hotel wechselte ich die Klamotten und brachte dann die Yamaha zurück zum Verleiher. Wie gehabt verlief wieder alles ohne Probleme, nett und freundlich. Die Frau des Vermieters war nun auch da, eine Deutsche. Sie hatte damals auch meine Mailanfrage beantwortet.
Es gab noch etwas Smalltalk, natürlich besonders über das ungewöhnliche Wetter der letzten Tage.
Ich schlenderte dann gemütlich zurück zur Urlaubsbleibe, versöhnt durch diese großartigen Tag!

Die gefahrene Strecke (140km):
https://www.google.com/maps/d/edit?mid=z2kV3jCeQflE.k2rr09qPWJc0&usp=sharing



Was bleibt?
Eigentlich hatte ich ja derbe Pech. Viel schlechteres Wetter kann man sich auf Gran Canaria eigentlich gar nicht vorstellen. 3 Tage am Stück Mistwetter und genau an diesen 3 Tagen habe ich ein Leihmopped. Nichts desto trotz hatte ich meinen Spaß, besonders am letzten Tag!
Auch wen ich bei weitem nicht so viele Strecken fahren konnte, wie ich eigentlich vor hatte.
Allein dazu müsste ich eigentlich noch einmal her kommen.
Ich kann jedem Kradler nur ganz dringend eine Leihmaschine ans Herz legen! Die Strecken auf der ganzen Insel sind großartig und können sich wirklich mit den tollsten Moppedrevieren messen.
Klar, nach einigen Tagen hat man alles durch, so groß ist die Insel halt auch wieder nicht.
Aber diese Tage mit Touren haben es richtig in sich. Also: Do it!

Kommentare:

  1. Sehr cool! Mit Gran Canaria verbinde ich auch irgendwie sowas wie Sonne und Wärme. Das es auch anders geht, hast Du schön geschildert.
    Hattest Du den Helm dort auch geliehen? Mitnehmen konntest Du ihn ja nicht. Wie ist das mit Leihhelm?

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    1. Ja, einen Helm bekommt man grundsätzlich beim Mieten dazu.
      bei Tivoli hatten sie überwiegend LS2-Integralhelme, sahen alle soweit ganz gut aus. Meiner war auch noch relativ neu und war in der passende Größe da. Saß auch prima.
      Eigener Helm an sich ist natürlich immer besser und abseits der irischen Fluglinie wohl sonst auch kein Problem als Handgepäck.

      Auf Teneriffa (2011) hatte ich einen Jet-Helm, das war doch eine andere Liga.

      Und Wetter ist da normalerweise kein Thema, besonders im Süden!
      Meine Eltern fahren seit 6 Jahren dort jeden Winter hin (zwischen 4 und 6 Wochen), sie hatten INSGESAMT vorher 5 Regentage (in zusammen 34 Winterwochen).

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  2. Ein Bericht zum Mitkämpfen und Mitleiden! Da bucht man drei Bikertage im üblicherweise sonnigen Mallorca und bekommt genau den Regen, vor dem man von hier geflohen ist. Und nicht nur, dass du mit dem Wetter kein Glück hast, mit dem Riss in der Regenhose kommt dann auch noch Pech dazu.
    Ich hab mich virtuell mit dir von Bushäuschen zu Bushäuschen gekämpft und hinter Bäumen Schutz vor dem kalten Wind gesucht und am Ende des Tages hatte ich genauso die Faxen dicke wie du - Aber solch ein Erlebnis mit dem Bike möchte man am Ende doch nie wieder hergeben ;-)
    Grüße von HerBert

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    1. Danke sehr!
      Und ganz Exakt! Gerade sowas ist in der Erinnerung dann doch das Salz in der Suppe.

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    2. @ HerBert Sahler
      Öhm ... Mallorca ;-? ...

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    3. Habe hier den Kommentar gerade vollkommen falsch gelesen und Mallorca als Alternativvorschlag wahrgenommen.
      War aber so ja gar nicht gemeint.

      Will aber trotzdem mal ein paar Sachen dazu schreiben. ;-)

      Zu Mallorca habe ich generell ein recht zwiespältiges Verhältnis.
      Thema Motorrad: Die schönen Motorradstrecken beschränken sich nahezu ausnahmslos auf das westliche Gebirge.
      Die Straßen dort sind absolut toll, keine Frage. Aber die Anzahl ist auch recht überschaubar.
      Wenn man sich also auf's Fahren beschränkt, kann man die alle an einem Tag abgrasen. Wenn man sich Zeit lässt kann man sich 2 tage dort aufhalten. Das war's dann aber auch.
      Der zweite Knackpunkt für mich ist der Verkehr. Es ist einfach fast überall voll. Horden von Radfahrern und Mietwagen quälen sich ständig durch die Berge, was mir persönlich wohl einiges An Freude nehmen würde auf dem Mopped.

      Wenn man eh da ist, ist ein, vielleicht zwei Tage ein Mietmopped sicher eine schöne Überlegung.
      Als Winterflucht zu Mopedfahren gibt es meiner Meinung nach diverse andere, bessere Ziele.

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